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MEHR ERFAHREN →In-Situ-Prüfungen bilden das Rückgrat einer fundierten geotechnischen Erkundung und liefern unverzichtbare Kennwerte direkt im anstehenden Baugrund. In Herford, einer Stadt mit heterogener Bebauungsstruktur und anspruchsvollen topografischen Lagen entlang der Werre, geht es nicht allein um Laborversuche an gestörten Proben. Die direkte Ansprache des Untergrunds vor Ort – sei es zur Bestimmung der Lagerungsdichte, der Tragfähigkeit oder der Durchlässigkeit – erlaubt eine realitätsnahe Bewertung der Baugrundverhältnisse. Gerade in einem gewachsenen urbanen Umfeld mit historischen Bauwerken, modernen Wohnquartieren und Infrastrukturprojekten sind belastbare Felddaten die Grundlage für standsichere Gründungen, wirtschaftliche Erdbauwerke und eine normenkonforme Bauausführung. Die Ergebnisse der In-Situ-Prüfungen fließen unmittelbar in die geotechnischen Nachweise nach Eurocode 7 ein und ermöglichen eine präzise Dimensionierung, die spätere Setzungsschäden oder unerwartete Kostensteigerungen vermeidet.
Die regionalen geologischen Bedingungen in Herford sind durch die Lage am Übergang des Ravensberger Hügellands zur Norddeutschen Tiefebene geprägt. Pleistozäne Lockergesteine dominieren das Bild: Geschiebemergel, Sande und Kiese wechseln sich mit Auelehmen und holozänen Talfüllungen entlang der Werreaue ab. Hinzu kommen lokal Lösslehme und lössähnliche Deckschichten, die bei Wasserzutritt zu erheblichen Tragfähigkeitsverlusten neigen. Diese Variabilität auf engstem Raum erfordert eine gezielte Erkundung, bei der punktuelle Aufschlüsse allein nicht ausreichen. In-Situ-Prüfungen wie der Plattendruckversuch (PLT) geben Aufschluss über den Verformungsmodul und die Bettungsziffer der anstehenden Schichten, während die Felddichtebestimmung im Sandkegelverfahren die tatsächliche Lagerungsdichte im eingebauten Zustand oder im gewachsenen Boden dokumentiert. Diese direkten Messungen sind essenziell, um die oft kleinräumig wechselnden Baugrundeigenschaften im Herforder Stadtgebiet zuverlässig zu charakterisieren.
Die Durchführung und Auswertung sämtlicher In-Situ-Prüfungen in Deutschland folgt einem strengen normativen Rahmen, dessen Einhaltung für die Verkehrssicherheit und die bauaufsichtliche Abnahme unerlässlich ist. Maßgebend sind die DIN EN ISO 22476-Reihe für geotechnische Felduntersuchungen sowie die ergänzenden nationalen Normen des DIN, etwa die DIN 18134 für den Plattendruckversuch und die DIN 18125 für die Dichtebestimmung. Für die Bestimmung der Wasserdurchlässigkeit im Untergrund kommt der Felddurchlässigkeitsversuch nach Lefranc oder Lugeon zum Einsatz, dessen Durchführung in der DIN EN ISO 22282 geregelt ist. Diese Normen definieren nicht nur die Prüfabläufe, sondern auch die Anforderungen an die Gerätekalibrierung und die Qualifikation des ausführenden Personals. Bauvorhaben in Herford, die einer Prüfung durch den Prüfingenieur für Baustatik oder einer Fremdüberwachung unterliegen, verlangen zwingend die lückenlose Dokumentation dieser normkonformen Feldversuche.
Die Anwendungsfelder für In-Situ-Prüfungen in Herford sind vielfältig und spiegeln die Dynamik der Stadtentwicklung wider. Beim Neubau von Wohn- und Gewerbeimmobilien in den Verdichtungszonen oder auf ehemaligen Industriebrachen ist der Plattendruckversuch das Standardverfahren zur Abnahme von Trag- und Frostschutzschichten. Im Verkehrswegebau, etwa bei der Erneuerung von Straßen und Radwegen, dient er als vertraglich vereinbarter Qualitätsnachweis. Die Felddichtebestimmung nach dem Sandkegelverfahren kommt insbesondere bei der Kontrolle von Erdbaumaßnahmen, beim Bau von Lärmschutzwällen oder bei der Rekultivierung von Deponien zum Tragen. Für Ingenieurbauwerke wie Regenrückhaltebecken, Gründungen im Grundwasser oder die Abdichtung von Bauwerken in der Werreaue ist die In-Situ-Bestimmung des Wasserdurchlässigkeitsbeiwerts unverzichtbar. Selbst bei der Sanierung historischer Gründungen oder der Nachverdichtung unter bestehenden Fundamenten liefern diese Prüfungen die Datengrundlage, um Schäden auszuschließen und die Restnutzungsdauer zu bewerten.
Die erforderlichen Prüfungen hängen vom Baugrundrisiko und der geotechnischen Kategorie nach EC 7 ab. Bei typischen Hochbauvorhaben in Herford sind meist der Plattendruckversuch zur Bestimmung des Verformungsmoduls und die Rammsondierung zur Schichtenansprache Standard. Bei Erdbauwerken oder Auffüllungen kommt die Felddichtebestimmung nach dem Sandkegelverfahren hinzu. Gründungen in der Werreaue oder in Hanglagen erfordern oft zusätzlich einen Felddurchlässigkeitsversuch zur Ermittlung des kf-Werts für die Dränage- oder Abdichtungsplanung.
Die quartären Lockergesteine in Herford – Geschiebemergel, Sande und Auelehme – zeigen ein ausgeprägt heterogenes Gefüge. Die Entnahme ungestörter Proben für das Labor ist technisch anspruchsvoll und gelingt nicht immer. In-Situ-Prüfungen erfassen den Boden in seinem natürlichen Spannungs- und Lagerungszustand, inklusive Grobkornanteilen und Schichtgrenzen. So liefern Verfahren wie der Plattendruckversuch direkt den für die Setzungsberechnung maßgebenden Steifemodul, ohne dass Probentransport oder -einbau das Ergebnis verfälschen.
Bindend sind die DIN EN ISO 22476 für Rammsondierungen und Drucksondierungen, die DIN 18134 für den Plattendruckversuch, die DIN 18125 für die Dichtebestimmung und die DIN EN ISO 22282 für Wasserdurchlässigkeitsversuche. Diese Normen legen Prüfablauf, Geräteanforderungen und Auswerteverfahren fest. Ergänzend gelten die Vorgaben der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) sowie die ZTV E-StB für den Erd- und Straßenbau. Die Einhaltung ist für die bauaufsichtliche Abnahme und die Standsicherheitsnachweise verpflichtend.
Die Kosten werden primär durch den erforderlichen Geräte- und Personalaufwand, die Prüftiefe und die Zugänglichkeit des Baufelds bestimmt. Ein Plattendruckversuch ist aufgrund des schnellen Versuchsablaufs meist kostengünstiger als ein aufwendiger Felddurchlässigkeitsversuch mit Verrohrung und mehreren Messstufen. Die Anzahl der Prüfpunkte richtet sich nach der Fläche und der Homogenität des Baugrunds. Zusätzliche Faktoren sind der Aufwand für die Baustelleneinrichtung, die Dokumentation nach Norm und eventuelle Sperrzeiten im innerstädtischen Verkehrsraum von Herford.